Die Geschhistorie bild 02ichte des Ortes Trunstadt mit seinem Schlossgut und die seiner Pfarrei sind eng miteinander verbunden. Von einer Kapelle wird bereits zur Zeit Kaiser Heinrichs II in einer sogenannten „Heinrichsurkunde“ im Jahre 1013 berichtet. Sie war eine Eigenkirche und gehörte zur damalig bischöflich-würzburgischen Pfarrei Hallstadt.

Bei der Gründung des Bistums Bamberg durch Kaiser Heinrich II. im Jahre 1007 kam es zu Schwierigkeiten mit dem Würzburger Bischof, weil er ein Gegner des neu zu gründenden Bistums war und dem König grollte. Aus Trotz gab er die Pfarreien Hallstadt, zu der auch Trunstadt gehörte, Amlingstadt und Seußling, die im Gebiet der neuen Diözese Bamberg lagen, nicht heraus. Erst bei der Einweihung des Bamberger Domes, die mit einer Kirchenversammlung verbunden war (06.05.1012) kamen auf dem Vergleichswege obige Pfarreien zum Bistum Bamberg. Trunstadt jedoch wurde am 21.06.1013 aus seiner Mutterpfarrei, der bis zu diesem Zeitpunkt würzburgischen Großpfarrei Hallstadt ausgepfarrt. Die Kapelle Trunstadt blieb bei Würzburg, stand also schon vor fast 1000 Jahren und ermöglichte eine seelsorgerische Betreuung der damaligen Gutsangehörigen, da andere Kirchen zu weit entfernt waren.
Stammpfarrei wurde Lodengereuth – heute Johannishof bei Oberhaid. Neben Trunstadt mit seinen Filialen gehörten zu dieser weiterhin würzburgischen Stammpfarrei auch noch die heutigen Pfarreien Bischberg und Oberhaid. Weitere kirchliche Organisationen in der darauffolgenden Zeit liegen noch im Dunkeln bis 1238 eine Pfarrei Trunstadt bezeugt wird.


Die zur Pfarrei Trunstadt gehörenden Christen der umliegenden Orte Oberhaid, Unterhaid, Staffelbach, Viereth, Tütschengereuth, Weiher, Stückbrunn, Lembach, Rossstadt und Dippach (östlich des Weißbrunn-Baches) mussten an Sonn- und Feiertagen in die Pfarrkirche nach Trunstadt kommen. Trunstadt gehörte zu dieser Zeit zum Kapitel Gerolzhofen. In diesem Kapitel ließ Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn (1545-1617) sogenannte 22 „Pfarrschulen“ errichten. Eine davon entstand um 1612 in Trunstadt, die heute noch, mit geringfügigen baulichen Veränderungen erhalten ist (Kirchberg Hs.Nr. 13). Dieselbe musste von den Kindern der zum Pfarrspiel zählenden Ort besucht werden.
Da die Pfarrkirche mit der Zeit zu klein war, wurde 1684 nach Trunstadt für Staffelbach und 1770 für Viereth ein Kaplan beordert, nachdem sich Bischberg bereits zwischen 1390 und 1430 (zur Pfarrei Walsdorf, ab 1651 selbständige Pfarrei), Oberhaid und Unterhaid 1403 aus dem Pfarrspiel gelöst hatten. 1783 erfolgte die Abtrennung Lembachs an die Pfarrei Priesendorf. 1937 entstand die Kuratie Viereth, von der auch dann Weiher und Tütschengereuth seelsorgerisch betreut wurden. Viereth ist seit 01.01.1990 selbständige Pfarrei.

1680 zwangen Baufälligkeit, Platzmangel und Beschädigungen im Markgräfler- und Schwedenkrieg (1632) dazu, mit den Planungen für einen Erweiterungs- bzw. Neubau der Pfarrkirche sich auseinanderzusetzen. Am 1.9.1692 wurde dann der Grundstein gelegt. Die Fertigstellung erfolgt im Jahre 1698.

Quellen:
Kunzmann, Inge u. Kunzmann, Bruno: Pfarrkirche Trunstadt [Kirchenführer], Trunstadt 1988, S. 3 - 5.
Kunzmann, Bruno: 1200 Jahre Trunstadt 788-1988, 750 Jahre Pfarrei 1238-1988 [Kalender], Juni (Rückseite).
Hoffmann, Hermann: Die untergegangene Würzburger Pfarrei Lodengereuth, jetzt Johannishof Gemeinde Oberhaid in: Würzburger Geschichtsblätter, 41. Bd., 1979, S. 79 - 89.

 

Die Pfarrkirche „St. Petrus u. Marcellinus“ zu Trunstadt

trunstadt oa bild 14Die heutige Pfarrkirche, vom damaligen Pfarrherrn Moritz Schipper 1692 begonnen, vom örtlichen Baumeister Georg Baumann gebaut und 1698 unter Pfarrer Johann Georg Braun vollendet, ist den Heiligen Petrus und Marcellinus geweiht, deren Reliquien von Seligenstadt / Hanau in unsere Kirche kamen. Sie ist ein freundlicher Barockbau mit einem hohen eingezogenen Chor, an dessen Nordseite der 33 m hohe Glockenturm mit zwei Kuppeln und offener Laterne steht. Dieser Glockenturm, der zumindest in seinen unteren Geschossen noch der Frühgotik angehört, also schon vor dem eigentlichen Kirchenbau gestanden haben muß, hat eine Mauerdicke von 125 cm, die Höhe der Fensterschlitze an der Nord- und Ostseite beträgt 140cm und deren Breite 40 cm. Wie in zahlreichen anderen Fällen in Franken ist auch die Trunstadter Kirche als Wehrkirche auf Verteidigung eingerichtet gewesen.

Der Hochaltar stammt aus der säkularisierten Franziskanerkirche St. Anna an der Schranne in Bamberg und befindet sich seit 1812 in der Pfarrkirche. Der hohe, zweisäulige Aufbau des Hochaltars besitzt eine frühbarocke Aedikula mit Segmentgiebel, gleichsam ein Tor, über den zwei übergroße Engel neben einem römischen Kreuz und daneben links der Hl. Antonius und rechts die Hl. Klara Wache halten. Seitlich neben den Säulenfuß stehen die Statuen des Hl. Franziskus (links) und des Hl. Valentin (rechts). Bei dem heutigen Altarbild handelt es sich um ein zusammengesetztes Blatt, dessen wohl älterer Teil – ein ovales Muttergottesbild mit Christuskind und Johannes – auf ein anderes Blatt mit geflügelten, verehrenden, schwebenden Engeln aufgezogen wurde. Der Rokokotabernakel wird von den Statuetten der Kirchenpatrone Petrus und Marcellinus flankiert, übrigens die einzige Kirche im Erzbistum Bamberg, die diese Heiligen zu Patronen hat. Die Reliquien kamen über dem Biographen Karl des Großen, namens Einhard, der übrigens bei der Ersterwähnung Trunstadts bei der Schenkung als Zeuge anwesend war, von Rom nach Seligenstadt.
Rechts und links des Hochaltars finden wir in der Chorinnenwand zwei Epitaphien derer Voit von Rieneck.

Die beiden spätbarocken Seitenaltäre mit Rokokodekor wurden von dem Centgrafen Daniel Barthelme gestiftet. Die Heiligenfiguren von Th. Wagner, dem Vater des berühmten Peter Wagner, des Karl Borromäus des Kirchenlehrers Augustinus flankieren den Nepomukaltar und die der Bistumsheiligen Kilian und Martin den Josefaltar. Neben dem Josefaltar, auf einer Konsole in einer Wandnische steht der barocke Taufstein aus Sandstein, ein Werk Friedrich Wolffs aus Zeil aus dem Jahr 1698. Eindrucksvoll zeigt sich, ebenfalls an der Südseite des Langhauses die „Pieta“, eine spätgotische strenge Vespergruppe, im 1. Viertel des 16. Jh. vom Schnitzer der Wachenrother Figuren entstanden.
Unmittelbar der Pieta gegenüber ein Prachtwerk handwerklichen Könnens die Kanzel. Aus feiner und reicher Muschwerkdekoration wachsen die Evangeliensymbole heraus. Obenan steht der Völkerapostel Paulus.
Als modernes Element hat der einheimische Künstler Reinhard Klesse aus Viereth 1970 die Kreuzwegstationen an der Brüstung der Empore geschaffen.

Quellen:
Kunzmann, Inge u. Kunzmann, Bruno: Pfarrkirche Trunstadt [Kirchenführer], Trunstadt 1988, S. 5, 7 19.

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