1trunstadt oa bild 20988 beging Trunstadt, einer der ältesten nachweisbaren Orte im Landkreis Bamberg, das 1200jährige Jubiläum seiner urkundlichen Ersterwähnung. Im gleichen Jahr blickte Trunstadt zudem auf eine 750jährige Pfarrgeschichte zurück.
„Im Namen Gottes übergebe ich, Egilolf, um meines Sohnes . . . Seelenheil willen diesen Teil meines Besitzes in den folgenden Orten rechtens dem Märtyrer St. Bonifatius ...“. So beginnt ein Abschnitt im Urkundenbuch des Klosters Fulda aus dem letzten Drittel des 8. Jahrhunderts zur Zeit der Äbte Sturmi und Baugulf. Unter den vielen Orten, die jener Egilolf damals dem Kloster übereignete, war auch Trunstadt am Main, etwa 12 km westlich von Bamberg, damals „terra Slavorum“, also von Slaven besiedeltes Gebiet mit fränkischer Grundherrschaft.
Die älteste Schreibweise des Ortes Trunstadt ist „Truosnasteti“. Neueste Forschungen haben ergeben, dass dieser Name von Drusch(i)na aus dem slavischen kommt und Gemeinschaft heißt, demnach also Gemeinschaftsstätte.

Acht Adelsgeschlechter bestimmten jahrhundertelang die Geschicke, am längsten die Grafen Voit von Rieneck; sie bewohnten bis ins 19. Jahrhundert hinein das mehrstöckige Renaissanceschloß in der Mitte des Ortes.
Ein Geschlecht derer von Drunstadt mit den Herolden Adalbert und Gotefried ist bereits ab 1195 nachweisbar. In ihre Zeit fällt die Erstbezeugung der Pfarrei im Jahre 1238.

Nachfolger der Drunstadt-Ritter waren die von Rüsenbach (1432 – 1578). Die Zerstörung des Schlosses im Bauernkrieg (1525), die Entstehung des bisher ältesten Planmaterials unserer Gegend mit der Darstellung der „Cent Hoheneich“ (1540 – 1590), jenes Hochgerichts an der Grenze zwischen den beiden Hochstiften Würzburg und Bamberg, die nochmalige Zerstörung des Schlosses durch Truppen des Markgrafen Alcibiates von Kulmbach (1552/53), der Aufbau des Schlosses in seiner jetzigen Form durch Ernst von Rüsenbach (1558) und die Berufung der Rüsenbachtochter Ursula zur letzten Äbtissin des Klosters von Maria Burghausen bei Hassfurt (1543 – 1582) sind nennenswerte Ereignisse aus der Zeit ihrer Grundherrschaft in Trunstadt. Da kein männlicher Erbe die Nachfolge derer von Rüsenbach antreten konnte, ging das Schlossgut mit allen Zugehörungen nach der Vermählung von Amalia von Rüsenbach mit Joachim von Redwitz an die von Redwitz (1578 – 1657) über. Es entstanden die Erbschenkstätte (6.9.1604) und die Pfarr- oder Parochialschule (1612), eine der 22 unter Fürstbischof Julius Echter im Kapitel Gerolzhofen, zu dem die Pfarrei Trunstadt damals gehörte, errichteten, die auch von den Kindern der zum ausgedehnten Pfarrspiel gehörenden Orten besucht werden musste und erst 1956 aufgelassen wurde.

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Pfarrschule Trunstadt

Von 1657 – 1665 saßen die von Schaumberg und von 1665 – 1668 die von Bronsart auf dem Rittergut zu Trunstadt, bis Fürstbischof Philipp Valentin Albert Voit von Rieneck, eine der herausragendsten Persönlichkeiten seiner Zeit im Fürstbistum Bamberg das Rittergut in Trunstadt aus eigenen Mitteln erwarb und eine Epoche einleitete, die bis in das 19. Jahrhundert hineinreichte und selbst heute noch spürbar ist. Nachdem er am 14.04.1665 das Gut zu Trunstadt und Stückbrunn erworben hatte, erhandelte er sich noch das Landgut Weiher und die streitbergischen Lehen zu Viereth und fasste sie zu einem einheitlichen Lehenskomplex mit den erworbenen Zehnten von Goßmannsberg und Krum zusammen und verlieh sie als „feudum novum“ seinen Neffen und Vettern in der Gewissheit, nicht nur seiner Familie, sonder auch der katholischen Sache einen besonderen Dienst zu leisten. Es war ein besonders deutliches Kapitel landesfürstlicher Rekatholisierungspolitik gegenüber dem weitgehend lutherisch gewordenen Reichsadel. Einen seiner Vettern. Karl Friedrich Voit von Rieneck, erhob Kaiser Leopold zu Wien im Jahre 1700 für sich und denjenigen, der ihm nach Ordnung der Erstgeburt in das errichtete Fideikommiß folgen würde, in den Reichsgrafenstand. Karl Friedrich Freiherr Voit von Rieneck gab dem Ort Trunstadt und seinen Untertanen am 2. Januar 1697 eine neue Dorfordnung, die im Original noch erhalten ist. Die Grafen Voit von Rieneck waren auch mit der centbarlichen Obrigkeit seit dem Jahre 1693 belehnt, die sich auf ihre Untertanen erstreckte. Das Centgrafenamt war im Centhaus, später Amtshaus genannt, untergebracht.

Nach dem Aussterben des Voit von Rieneckgeschlechtes im Jahre 1813 ging der Besitz an den Freiherrn von Aretin über, die ihn aber bereits im Jahre 1816 an den Juden Jakob Hirsch (später Hofbankier und Baron von Hirsch)trunstadt oa bild 18 verkauften. 1828 beginnt die Zertrümmerung des Schlossgutes und endet mit der Veräußerung des Oekonomiehofes im Jahre 1832. Seit 1870 bzw. 1880 ist das Schloss selbst im Besitz der Gemeinde. Es hat als Schule, Rathaus, als Wohnhaus für Lehrer und zur Unterbringung von Heimatvertriebenen gedient. Die gesamte Schlossanlage befand sich 1986/87 als erhaltenswertes Ensemble im Städtebauförderungsprogamm des Bundes und erfuhr rechtzeitig zur Zeit der Jubiläumsfeierlichkeiten im Jahr 1988 eine umfassende Sanierung. Die Restauration der schön proportionierten Gewölbe und Räume mit ihren schweren Balkendecken war rechtzeitig abgeschlossen. Auch Teile der Ummauerung stehen noch, vor allem einer der ehemals vier dicken, runden Wehrtürme (der Raum in seinem Obergeschoß dient inzwischen vor allem als festliches Trauungszimmer).
Heute beherbergt das Schloß mit seinem wunderschönen Gewölbekeller den Rathaussaal der Gemeinde und dient örtlichen Vereinen.

Quellen:
Kunzmann, Bruno: 1200 Jahre Trunstadt – 750 Jahre Pfarrei, in: Frankenland, H. 7,1988, S. 297 f.
Schütz, Joseph: Die Deutung alter fränkischer Bezeichnungen, in Jahrbuch f. fränkische Landesforschung, 1996, S. 120 – 122.


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